Griechische Inseln
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Nissyros

Nissyros ist eine kleine Insel südlich von Kos und kann von dort aus auch bequem mit Ausflugsschiffen angesteuert werden. Bei der Annäherung an Nissyros sieht man der fast kreisrunden, nahezu buchtenlosen Insel überhaupt nicht an, dass sie die größte intakte Caldera des ganzen Mittelmeerraums besitzt. Die Berghänge steigen zwar recht unvermittelt, aber eher sanft als schroff aus dem Meer auf. Sie scheinen ein ganz normales, bis zu 698 m hohes Inselgebirge zu bilden. Auffällig sind höchstens die vielen uralten Terrassen an den Hängen, die licht mit allerlei Bäumen bestanden sind.

Mandraki

Am Ufer ist nur Platz für zwei Dörfer, den Inselhauptort und Fähranleger Mandraki sowie den Fischerhafen Pali. Zwei weitere Dörfer sind weit oben an den Hängen zu erkennen: Emborios und Nikia.

Fliegt man jedoch mit einer kleinen Propellermaschine die Strecke zwischen Rhodos oder Kreta und Kos, erkennt man den wahren Charakter der Insel. Nissyros ist hohl! Die grünen Hänge fallen im Zentrum der Insel steil in eine tiefe Caldera ab, deren Grund nur etwa 100-120 m über dem Meeresspiegel liegt. Sie ist über 3500 m lang und 1500 m breit. Ihre südliche Hälfte ist im Frühjahr üppig grün, die nördliche das ganze Jahr über wüstenhaft kahl.

Caldera

In dieser gelblich-ockerfarbenen Mondlandschaft öffnet sich noch einmal ein 350×250 m großer Krater, der Stefanos-Krater. Seine Wände glitzern an vielen Stellen schwefelgelb. Auf etwas rutschigem Pfad geht es in den Krater hinein. Aus Erdlöchern steigen heiße Schwefelwasserstoffdämpfe auf, in kleinen Mulden blubbert Schlamm, brodelt heißes Wasser. Die herumliegenden Steine sind so heiß, dass man darauf Spiegeleier braten kann. Neben dem Stefanos-Krater steigt ein Miniaturgebirge aus kleinen Vulkankegeln mit weiteren vier Kratern auf. Trockenbäche mit schwefelgelb gefärbten Rändern durchziehen ihre Hänge, füllen sich im Winter nach heftigen Regenfällen mit Wasser. Kein Mensch lebt in dieser Einöde, nur im grünen Teil weiden Kühe, solange das Gras wächst. Eine Straße führt mitten in die Caldera hinein. Man kann sie aber auch gut vom Hafenort Mandraki oder dem Kraterranddorf Nikia aus erwandern.

Endlich ein Vulkanmuseum auf Nissyros

Wer sich einen guten Überblick über den Vulkanismus in Griechenland verschaffen will, hat dazu im Kraterranddorf Nikia auf Nissyros Gelegenheit, einer Dodekanes-Insel südlich von Kos. Mit Hilfe der EU wurde dort der Bau der 1990 für immer geschlossenen Grundschule in ein kleines, aber modern und sehr informativ gestaltetes Vulkanmuseum verwandelt.

Im Vulkanmuseum

Hier sieht man endlich einmal mit eigenen Augen Bentonit und Kaolin von Milos, kann Obsidian von Milos, Nissyros, Kappadokien und Lipari miteinander vergleichen, erfährt erstaunt, dass es auf Patmos Opalvorkommen, auf Mykonos Mangan und auf Kimolos Amethyste gibt. Verschiedene Lavaarten aus Griechenland sind ausgestellt, ein Modell von Nissyros im Maßstab 1:7000 ermöglicht einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Insel, eine schematische Zeichnung erschließt das Innere des Vulkans dieses Eilands. Ausführliche Infotafeln geben Erläuterungen auf Griechisch und Englisch – und wenn die Technik funktioniert, wird auch ein Film gezeigt.
 
Stille Kraterranddörfer auf Nissyros

 Nikia

Nikia zählt nur noch 39 Bewohner. Vom Vulkanmuseum am Dorfeingang von Nikia führt eine schmale, autofreie Gasse ins Dorf hinein, dass direkt auf dem hier über 400 m hohen Kraterrand zu schweben scheint. Weiß gekalkte Häuser aus dem 19. und frühen 20. Jh. säumen den gepflasterten, von Blumentöpfen gesäumten Weg. Auf der einen Seite blickt man weit über die Ägäis, auf der anderen über die ganze Caldera hinweg. Schon nach etwa 150 m kann man auf dem fast kreisrunden Dorfplatz vor der Kirche Mariä Tempelgang in einem der Kafenia Platz nehmen, die beide als Erfrischung auch die flüssige Inselspezialität soumada anbieten, die man auf Deutsch als Mandelmilch bezeichnet. Man gewinnt sie, indem man abgezogene, zerkleinerte Mandeln kocht, dann im Kochwasser geraume Zeit ziehen lässt, anschließend durch ein Tuch drückt und schließlich mit Wasser verdünnt.

Das zweite Kraterranddorf der Insel, Emborios, ist noch verschlafener als Nikia. Hier leben nur noch 15 Menschen. 1939 zählte Emborio noch 4000 Bewohner, es gab 27 Geschäfte und sogar ein Fotostudio. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Felder verwüstet, das Vieh verhungert, die Menschen wanderten nach Brasilien, Nordamerika und Australien aus. Heute ist das Kafenio mit dem bezeichnenden Namen >To Balkoni tou Emboriou< der einzige noch etwas belebte Platz im Dorf. Hier sitzen die Gäste an neun kleinen Tischen auf einer Terrasse, die über der Caldera zu hängen scheint, im Innern zeigt ein stark beschädigter Spiegel von einem Schusswechsel zwischen deutschen Soldaten und griechischen Partisanen im Februar 1945, der auf Seiten der Freiheitskämpfer neun Tote hinterließ.

Wer mag, kann sich am oberen Dorfrand von Emborio die Michaelskirche im ehemaligen Kastro aufschließen lassen und dort auf den Freskenresten die Apostelkommunion, die Opferung Isaaks, das Jüngste Gericht und ein paar Heilige zu erkennen versuchen. Wer sich gesund und fit genug fühlt, wagt sich vielleicht in die winzige Natursauna am unteren Dorfrand hinein. Ein stets offenes Törchen in einer geweißelten Natursteinmauer führt in eine kleine Grotte, die durch die Erdwärme so stark aufgeheizt wird, dass man darin tatsächlich saunen kann. Da sie von den Einheimischen nicht mehr benutzt wird, kann man sich problemlos unbekleidet hineinbegeben. Die Temperatur ist allerdings sehr hoch und sicher nicht für jeden angenehm, außerdem sind an den Wänden bisher nicht identifizierte Pilze festzustellen. Allergiker, Asthmatiker und Vorsichtige sollten vielleicht nur einen kurzen Blick in die Natursauna werfen…